Über mich
Ich bin Marie Oser
Sängerin, Erzählerin und Conférencière. Ich bin Programmmacherin und bekennende Liebhaberin der großen Gefühle und kleinen Zwischentöne.
Ich mache Musik im Stil des Cabarets der 1920er und 30er Jahre – vom frechen Chanson über nostalgische Filmmelodien bis zum Musical.
In meinen szenischen Programmen erwecke ich das Repertoire der Weimarer Republik und der Exilkünstler*innen zum Leben – stets aus heutiger Perspektive und mit Bezug zur Gegenwart.
Die goldenen Zwanziger
Sie waren die Geburtsstunde der ersten Demokratie. Die sogenannten „goldenen 20er Jahre“, und obwohl oder gerade weil sie im Schatten des aufkommenden Faschismus stand blühten Kunst und Kultur auf. Es entstand ein scharfzüngiges politisches Cabaret, das die Schwächen der Demokratie, die Emanzipation der Frau und queere Lebensweisen zum Thema machte.
Meine Vision
Auch heute leben wir wieder in schwierigen, ungewissen Zeiten. Die digitale Revolution und der europaweite Rechtsruck lassen alte Ängste wieder aufleben. Der Diskurs ist rauer geworden, ausgrenzend und manchmal respektlos, ja skrupellos. Viele Menschen verlieren die Zuversicht, dass ein solidarisches Miteinander möglich ist.
Mit meiner Musik und Poesie möchte ich eine Gegenwelt schaffen, die feinsinnig, respektvoll und verbindend ist.
Ich möchte das Bewusstsein für die Stärke, aber auch die Verletzlichkeit humaner, empathischer und demokratischer Werte fördern. Die Werke der Kunstschaffenden der Weimarer Republik regen zum Nachdenken über gesellschaftliche Entwicklungen an, machen Mut und vermitteln Lebensfreude. Brauchen wir nicht genau das auch heute wieder ganz dringend?
Die Bühne (m)ein Kindheitstraum
Als Kind war ich neugierig und sog alles um mich herum in vollen Zügen auf. Ich sang, schrieb Gedichte und spielte Klavier, war aber auch gern in der Natur und interessierte mich für all das, „was die Welt im Innersten zusammenhält“ (Goethe). Das Theater zog mich magisch an. Die Badische Landesbühne, ein Wandertheater, spielte auf ihrem Weg übers Land auch in meiner kleinen Stadt, und ich träumte davon, so zu sein wie die Theaterleute, so frei im Ausdruck, unabhängig und voller Energie. Und so besuchte ich die Theater-AG meiner Schule und verbrachte meine Freizeit mit Proben.
An einem regnerischen Novembertag saß ich mit einem Freund, mit dem ich damals viele politische Diskussionen führte, im Schneidersitz auf dem Boden, und er zeigte mir seinen neuen Schallplatten-Fund. „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ stand auf dem Cover. Er legte die Platte auf – und dann erfüllte diese mir noch fremde und großartige Musik den Raum. Sie war melodiös und zugänglich und doch auf eine Art schräg mit sich reibenden Harmonien, die bei mir einen Nerv trafen. Die Stimme Lotte Lenyas, selbstbewusst und verletzlich zugleich, berührte mich zutiefst. Sie löste in mir das Gefühl aus, dass es möglich ist, aufzubrechen und etwas Neues zu wagen. Und diese Gesellschaftskritik hatte es in sich.
Diese Frechheit, diese Chuzpe, dieser revolutionäre Duktus in Text und Musik faszinierten mich.
Danach war mir klar, dass ich genau das möchte: Singen, Theater spielen und einen Ausdruck finden für meine Haltung zur Welt. Doch so einfach war es nicht, denn „die Verhältnisse, sie sind nicht so“ (Bertolt Brecht). Musiktheater als Beruf erschien meinen Eltern nicht seriös genug, und ihre Einwände lösten auch in mir große Zweifel aus, ob ich es wirklich schaffen würde, als Sängerin oder Schauspielerin meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich war vielseitig interessiert und wollte für andere Menschen hilfreich sein, und so wurde ich Psychotherapeutin. Die Musik wurde zu meinem liebsten Zeitvertreib.
Die Psyche: Eine innere Bühne
Von der Couch auf die Bühne
Obwohl ich meine Arbeit als Therapeutin sehr liebte wuchs in mir immer stärker die Sehnsucht, meinen Kindheitstraum wahr werden zu lassen und selbst auszudrücken und darzustellen, was Menschen bewegt. Gespräche mit meinen künstlerisch tätigen Freundinnen weckten eine tiefe Wehmut in mir, die immer spürbarer wurde und mich schließlich dazu drängte, ihr nachzugehen.
Ich erinnere mich noch lebhaft an den frühen Septembermorgen, der Vieles verändern sollte. Ein erster Sonnenstrahl kitzelte meine Nase, und im Halbschlaf griff ich nach meinem Traumheft, um die flüchtigen Bilder der Nacht und die spontanen Gedanken des Tages unzensiert festzuhalten. Da war beim Erwachen wieder diese wehmütige Sehnsucht in mir, und diffus sah ich das Traumbild eines Wegweisers vor mir. „Deine Wehmut ist ein Wegweiser“, notierte ich. Ich ging in die Küche, bereitete den Kaffee in der kleinen Bialetti zu, inhalierte den vertrauten Duft und nahm den ersten Schluck. In diesem Moment wußte ich, was ich tun musste. Ich nahm meinen Kalender zur Hand. In alle freien Stellen schrieb ich: „Meine Musik“ – und bemerkte, wie die Entscheidung, meinen drängenden Ausdruckswunsch endlich ernst zu nehmen, mich glücklich machte. Nach und nach gab ich dann der Musik immer mehr Raum, musizierte in kleinen Ensembles, sang mit anderen in Caféhäusern und erhielt eine Gastrolle an einem Boulevard-Theater. Ich beschäftigte mich intensiv mit der Musik und Poesie der Zwischenkriegszeit und schrieb schließlich mein erstes abendfüllendes Bühnenprogramm.
Seitdem sind einige Jahre vergangen, und mit großer Freude stehe ich inzwischen mit zwei Musiktheaterprogrammen regelmäßig auf der Bühne. Mich beschäftigt weiterhin die Frage: Wie können wir die Emanzipation aller Geschlechter und unsere Demokratie so gestalten, dass solidarischere und gerechtere Formen des Miteinanders entstehen? Dabei interessiert mich besonders, was wir aus der Geschichte lernen können und welche verborgenen unbewussten Kräfte uns dabei leiten.
Ich bin überzeugt: Kunst, die berührt, hinterlässt Spuren in uns und in der Welt. Für mich ist Kunst deshalb immer auch politisch.
Wenn Sie erfahren möchten, welche Themen mich gerade beschäftigen und wo ich live zu hören bin, dann tragen Sie sich gern in meinen Newsletter ein – ich freue mich auf Sie!
